
Wer über einen altersgerechten Umbau nachdenkt, denkt zuerst an Haltegriffe und Rampen. Das ist nicht falsch — aber es greift viel zu kurz. Die wirkungsvollsten Maßnahmen für ein langfristiges, selbstbestimmtes Wohnen sind oft gar keine Umbauten. Sie werden direkt im Neubau oder der Kernsanierung integriert. Und die teuersten Fehler passieren nicht beim Umbau selbst, sondern bei der Entscheidung, von vorneherein für alle Generationen zu bauen — oder eben nicht.
Ich bin Architektin mit 17 Jahren Erfahrung in der barrierefreien Planung in den Leistungsphasen 1–9. Seit neun Jahren bin ich Sachverständige für Schäden an Gebäuden und mittlerweile auch Sachverständige für barrierefreies Bauen. Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen zeigen, welche sieben Maßnahmen den größten Unterschied machen — und welche Fragen Sie sich stellen sollten, bevor Sie auch nur einen Handwerker anrufen.
Eine kleine Auflistung der Maßnahmen für barrierefreies Bauen
1
Der Zugangs- und Eingangsbereich — das erste und wichtigste Hindernis
Der Zugang zum eigenen Zuhause scheitert häufig schon an der Gestaltung der Stellplätze und der Außenanlage: Treppenstufen bis zum Eingangspodest oder Türschwellen an der ersten Stufe. Eine Rampe am Hauseingang, eine verbreiterte Eingangstür entsprechend der empfohlenen Breiten und eine gute Beleuchtung sind Maßnahmen, die ich immer einplane — viele andere Planer jedoch bauen nur für Fußgänger. Diese Maßnahmen sind verhältnismäßig günstig — aber erhalten enorm viel Selbstständigkeit.
Die KfW fördert explizit Wege zum Hauseingang, Stellplätze, Rampen und automatische Türantriebe. KfW Wer diese Maßnahmen frühzeitig angeht, sichert sich nicht nur Förderung, sondern vermeidet den deutlich teureren Notfallumbau.
2
Türen — unterschätzt, aber entscheidend
Zu enge Türen sind einer der häufigsten Gründe, warum ein Zuhause trotz guter Ausstattung nicht funktioniert. Ein Rollator braucht mindestens 80 cm Durchgangsbreite, ein Rollstuhl 90 cm.
Die Verbreiterung einer Türöffnung kostet je nach Konstruktion zwischen 800 und 3.000 Euro — und verändert die Nutzbarkeit eines ganzen Raums grundlegend. Es lohnt sich daher, alle Innentüren (Türblatt, Öffnungsrichtung, nachrüstbare Funktionen der Zarge und des Türblattes) bereits bei der Planung im Zuge eines Umbaus zu überprüfen — nicht nur die offensichtlichen und nicht erst dann, wenn sie gebraucht werden, alles umzubauen und damit doppelt zu investieren.
3
Bodengleiche Dusche — der wirkungsvollste Einzelumbau
Eine barrierefreie Dusche macht den Alltag sicherer und komfortabler. Bei eingeschränkter Mobilität (Sportverletzung, Schwangerschaft) oder beginnender Pflegebedürftigkeit ist sie komfortabel nutzbar, kann Unfällen vorbeugen, Angehörige entlasten und das Bad für viele Jahre sicher nutzbar halten. pflege.de
Eine bodengleiche Dusche kann einfach durch die richtige Verlegung des Fliesenbelages umgesetzt werden und kostet im Standard 1.500 bis 2.500 Euro, mit kompletter Fliesenarbeit 3.000 bis 5.000 Euro. Warum also eine Duschtasse planen und bauen, die zu klein ist und aufwändig wieder entfernt werden muss? Pflege Panorama Das ist für viele die erste und wichtigste Maßnahme — denn das Badezimmer ist der Raum, in dem die meisten häuslichen Unfälle passieren.
4
Haltegriffe — an den richtigen Stellen, nicht überall
Haltegriffe sind kein Accessoire, das man einfach nachträglich montiert. Sie müssen an den richtigen Stellen sitzen, die richtige Tragfähigkeit haben und normgerecht befestigt sein. Eine Wand, auf der ein Griff montiert werden kann, muss dafür statisch im Neubau vorgesehen werden. Sie nachträglich zu ertüchtigen bedeutet den kompletten Abriss und Neubau der Wand — also mehr als die ursprünglichen Herstellungskosten. Eine Wand, die einen Griff optisch trägt, muss das noch lange nicht statisch tun.
Ein vollständig ausgestattetes Bad mit professionell montierten Haltegriffen an Dusche, WC und Waschtisch kostet in der Materialinstallation zwischen 500 und 2.000 Euro. Pflege Panorama Günstig — wenn man es gleich richtig macht.
5
Stufen und Schwellen beseitigen — oft günstiger als gedacht
Jede Türschwelle, jeder kleine Absatz zwischen Räumen ist ein Stolperrisiko — und eine Hürde für alle, die mit einem Babywagen, Gehhilfen oder dem Rollstuhl unterwegs sind. Das schwellenlose Verbinden von Wohnbereichen ist in vielen Fällen günstiger als angenommen. Oft reicht schon das Anlegen eines Keils aus, um Höhenversätze zu überwinden. Besonders dann, wenn Stufen und Schwellen im Zuge anderer Umbaumaßnahmen oder direkt bei der Kernsanierung mitbedacht werden, entstehen keine Mehrkosten.
6
Küche — der unterschätzte Raum
Die Küche wird beim altersgerechten Umbau fast immer vergessen. Dabei verbringen die meisten Menschen dort viel Zeit — und stoßen schnell an Grenzen: Schränke zu hoch, Arbeitsfläche nicht unterfahrbar, Herd und Spüle nicht erreichbar.
Höhenverstellbare Arbeitsflächen, die flexibel sind, unterfahrbare Bereiche, komfortable Armaturen und griffgünstige Schranklösungen sind keine Luxusausstattung — sie sind der Unterschied zwischen einem Zuhause, das mitwächst und lange funktioniert, und einem, das nach wenigen Jahren wieder umgebaut werden muss.
7
Vorausschauende Planung — der günstigste Umbau ist der, der nicht gemacht werden muss
Der Umbau einer Wohnung im Bestand kostet im Schnitt 19.000 Euro — der Mehraufwand für Barrierefreiheit beim Neubau hingegen nur etwa 1.600 Euro. Aktion Mensch Diese Zahl erklärt besser als jedes Argument, warum frühzeitige Planung so wichtig ist.
Wer heute neu baut oder saniert, sollte Barrierefreiheit als Grundlage mitdenken: breitere Türen, ausreichende Bewegungsflächen, verstärkte Wände für spätere Haltegriffe, bodengleiche Duschen. Diese Entscheidungen sind im Neubau entweder kostenneutral oder zumindest immer günstiger als im Nachhinein.
Was jetzt?
Altersgerechter Umbau ist kein einmaliges Projekt, das man abhakt. Er ist eine Haltung gegenüber der eigenen Zukunft. Die entscheidende Frage ist nicht: Was muss ich umbauen? Sondern: Was brauche ich in 10 Jahren — und wie plane ich heute dafür? Für wen möchte ich bauen, wie lange soll mein Eigentum nutzbar sein, wer soll mich zu Hause besuchen können?
Genau das beantworte ich beim Ortstermin. Ich schaue mir Ihre konkrete Situation an, bewerte was sinnvoll ist und was nicht, und zeige Ihnen einen Weg, der zu Ihrem Haus, Ihrer Lebenssituation und Ihrem Budget passt.
Das Erstgespräch ist kostenlos. Melden Sie sich — ich antworte persönlich.